Zahar und Fatme

An einem Montag Morgen im April stehe ich um 6.30 Uhr mit zwei 14-jährigen arabischen Schönheiten vor der Schule und trage innerlich einen schwierigen Kampf mit mir aus. Zahar und Fatme stehen mit hübschen Kopftüchern und farblich genau abgestimmten Klamotten aufgeputzt vor mir und „schwören, dass sie sich nie wieder im Theaterunterricht schlecht benehmen“. „Ich schwör, Frau Plath, wallah, ich mach jetzt immer mit“, versichert Zahar und ihre beeindruckenden, großen Augen schwimmen in Tränen. Fatme nickt dazu und presst ihre pinke Handtasche mit den Strass-Steinen fest an ihren Körper. Ich frage mich, ob das jetzt wieder eine perfekte Inszenierung ist, oder ob ich ihnen glauben soll. Nach mehreren Monaten der ständigen Auseinandersetzung sind wir an einem Punkt angekommen, an dem ich sie von den Theateraufführungen im Mai ausschließen will, obwohl das für den Rest der Gruppe erhebliche Szenen- und Textumstellungen bedeuten wird und ich nicht mehr weiß, ob wir dann überhaupt noch rechtzeitig fertig werden. Aber Zahar und Fatme haben jegliches Maß an Geduld bei mir überschritten, ich glaube einfach nicht mehr, dass sie es ernst meinen mit ihren Beteuerungen. Denn genau dieses Spielchen beherrschen sie perfekt: Das Bitten, Betteln und Schmachten, wenn sie sich mit einer klaren Ansage konfrontiert sehen, die nicht in ihrem Sinne ist. Genau dieses Schauspiel haben sie unzählige Male zu Hause geübt, wann immer der Vater oder der ältere Bruder ihnen etwas verbietet. Und in ihren Familien wird vieles verboten und vieles bestraft. Und deshalb wird viel gelogen und viel verheimlicht – und grandioses, dramatisches Theater gespielt, wenn etwas gegen den Willen der Autoritätsperson durchgesetzt werden soll. Wenn es darum geht, ein Machtspielchen zu gewinnen.

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Die Geschichte von Fuad

Mein neues Leben als Freiberufliche hat nun also begonnen. Zunächst einmal mit Zähneklappern über die Erkenntnis, wie schwer es sein wird, zukünftig 1400 Euro netto im Monat zusammen zu bekommen. Zahlreiche Stunden beim Steuerberater haben mir den Rest Illusionen genommen, dass es „einfach irgendwie so gehen wird“. Es wird verdammt schwer werden. Aber ich wollte es so. Und ich weiß genau, was ich tue.

Da ich jetzt keine Rücksicht mehr darauf nehmen muss, ob „man als Beamte ‚sowas‘ sagen oder erzählen darf“, beginnt mein erster Blog als Selbstständige mit einem ersten Eintrag darüber, warum ich keine Lehrerin mehr sein wollte, obwohl ich so wahnsinnig gerne Lehrerin bin und es nach wie vor für einen Traumberuf halte. Wer das für einen Widerspruch hält, mag in Zukunft diesen Blog lesen. Vielleicht wird die Sache mit der Zeit verständlicher.

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Sommerpause

Dieser Blog geht bis zum 31. Juli in die Sommerpause, weil ich mein neues Buch fertig schreiben muss.
Darin wird es um partizipativen Theaterunterricht gehen. Eine Weiterführung meines ersten Buches – mit all den Dingen, die ich inzwischen dazu gelernt habe und die hoffentlich dabei helfen, den Theaterunterricht noch (!) lustvoller und kreativer zu gestalten.

Vor allem aber ein Buch mit dem Schwerpunkt „Partizipation“ – Wie können künstlerische Begegnungen mit Jugendlichen statt finden? Was sollten wir von Zahide, Gülcem, Shirin, Salma, Hussein, Justin, Hakan und all „unseren“ anderen Jugendlichen dringend lernen? Und wie wird daraus Kunst?

Ich muss an den Schreibtisch. Gut, dass es regne… Bis bald im August!