Spielraum Theater. Selbstermächtigung und Partizipation

Zum Konzept:

Das partizipative Konzept von Maike Plath liegt in seiner Gesamtheit in neun Publikationen vor. Der Einstieg in das Konzept ist über jede der neun Publikationen möglich (LOW FLOOR, einfacher Einstieg). Was zunächst einfach erscheint, wird durch die Erschließung immer weiterer Konzept-Ebenen und Kombinationsmöglichkeiten (WIDE WALLS) immer komplexer und anspruchsvoller. Im ständigen Wechselspiel zwischen individueller Freiheit des Einzelnen und Reflexion in der Gruppe werden kontinuierlich auf der einen Seite innere Haltung, Kommunikation und demokratisches Miteinander geschult und auf der anderen Seite kreative Gestaltungsmöglichkeiten erprobt und zunehmend kreativ erweitert – ausgerichtet auf ein gemeinsames Ziel. Dabei können grundsätzlich bisher geltende Standards und Gewissheiten übertroffen und Neues geschaffen werden (HIGH CEILING). Ausgangspunkt bilden grundsätzlich die individuellen Startvoraussetzungen und Biografien aller Beteiligten, die auf vielfältigste Weise als Potential in den Gesamtprozess einfließen. Dabei lernen alle Beteiligten ihre Lebensgeschichte als sinnhaftes und einzigartiges Narrativ zu begreifen und das Eigene immer wieder neu in ein konstruktives Verhältnis zu den anderen und zur Welt zu setzen. Das Partizipationskonzept von Maike Plath ist somit ein konkreter, konstruktiver und kreativer Vorschlag, wie wir einer zunehmend technisierten und auf Konkurrenz ausgerichteten Welt das gesamte vielfältige Potential des Menschen produktiv entgegensetzen können.

Das zugrundeliegende partizipative Gesamtkonzept, das alle 8 Publikationen in einen gemeinsamen Kontext stellt, ist im Dezember 2017 erschienen: „Befreit euch! Anleitung zur kleinen Bildungsrevolution.“ (ISBN-13: 9783746014494). Die Autorin beschreibt darin detailliert, anschaulich und unterhaltsam wie ihr Konzept in Schulen und Gesellschaft umgesetzt und gelebt werden kann: Ein fulminanter Vorschlag, Bildung und Gesellschaft vom Potential des Menschen her zu denken.

„Mein Konzept geht von der Diversität einer Gruppe als Grundbedingung aus und initiiert Ermächtigungsprozesse auf der Basis des OPEN-KNOWLEDGE-PRINZIPS durch den Ansatz des BIOGRAFISCH-PARTIZIPATIVEN THEATERS. (…) Die im Rahmen dieses Ansatzes erprobten Strategien des Lernens und Gestaltens und der demokratischen Führung  können sowohl auf andere Unterrichtsfächer als auch auf jegliche Lebens- und Arbeitskontexte übertragen werden.

Durch die künstlerische – nämlich forschende, fragen-orientierte und Kreativität begünstigende- Arbeit werden Erfahrungsräume eröffnet, die mögliche Formen gelebter Inklusion in der konkreten Arbeit und Begegnung vermitteln.

Der partizipative Ansatz bietet Transparenz und unmittelbare kognitive Erfahrbarkeit demokratischer Prozesse– sowohl bei den Anleitenden als auch bei den Jugendlichen.

Die hier dargelegten Lernstrategien weisen Parallelen zu den Arbeitsweisen der sich rasant entwickelnden technischen Bewegung auf: Dort ist es selbstverständlich, dass viele Menschen gleichzeitig an der Lösung eines Problems arbeiten, dass innerhalb eines einfach zu erlernenden Referenzsystems (LOW FLOOR) grenzenlose Kombinations- und Erweiterungsmöglichkeiten (WIDE WALLS) bestehen und dass es jederzeit möglich ist, vollkommen neue Entdeckungen zu machen (HIGH CEILING). Es sind diese Lernstrategien, die auf spielerische Weise individuelle Ermächtigungsprozesse initiieren und zu höheren Leistungen führen, als es in einem normierten System möglich ist.

Das Theatrale Mischpult, ein zentrales Arbeitsinstrument in der biografisch partizipativen Arbeit, funktioniert genau auf diese Weise. Nach dem Prinzip «open knowledge» durch Fragmentarisierung wird Theaterfachwissen in kleinstmögliche Einheiten zerlegt und transparent zur Verfügung gestellt. An den, gleich einem Buffet, bereitgestellten Mitteln können sich die Jugendlichen ihren individuellen Bedürfnissen und Anliegen entsprechend bedienen und finden selbstbestimmt zu künstlerischen Lösungen. Neue Entdeckungen sind jederzeit möglich.

Dabei werden nicht nur Methoden für die inklusive Arbeit mit Schüler*innen vermittelt, sondern auch Instrumente zur spielerischen Selbstevaluation.

Die beschriebenen Prinzipien sind von mir in der direkten Praxis als Lösung der vielfältigen Probleme im herkömmlichen Unterricht entwickelt worden. Sie entsprechen aber überraschenderweise zahlreichen ähnlichen Ansätzen überall auf der Welt (z.B. auch dem Prinzip der AGILEN SOFTWAREENTWICKLUNG ). All diese Ansätze basieren auf folgenden Prinzipien:

ZIELE ERARBEITEN UND FORMULIEREN

ERFAHRUNGSRÄUME BIETEN

SELBSTREFELEXION TRAINIEREN UND IMMER WEITER VERFEINERN“

(aus „Befreit euch! Anleitung zur kleinen Bildungsrevolution. Theorie und Praxis.“, Maike Plath 2017)

Concept: The Theatrical Mixing Board

The heart and strength of Europe is democracy. But democracy seems to be more and more fragile these days.

The openness, diversity and freedom of our continent is in danger.

To counteract the visible signs of regression into old patterns of nation-state behaviour, separation and the erosion of solidarity,  I believe in participatory ways of creating art and theatre. As a concrete contribution to this end I am happy to present to you the Theatrical Mixing Board…:

Democracy needs leadership. Leadership is not ruling over people. Leadership means taking responsibility. But leading doesn’t come natural to us. We have to learn it step by step. This is what we do when working with the Theatrical Mixing Board: taking turns directing, creating and sharing our experience in constant exchange with each other (by means of a detailed feedback concept called  a „Talk among friends“).

The „Theatrical Mixing Board“ is a concept which I developed over the course of many years: a shared reference system that opens up a shared play- and experimental space and makes full transparency possible – which is the basis for overcoming imbalanced power structures. With the help of various creativity containers and the principles of democratic leadership (for example the DEMOCRATIC LEADERSHIP JOKERS: TEMPO! CLARITY! RESPONSIBILITY! & VETO!), everyone can find their own individual way of accessing the Theatrical Mixing board and it’s innumerable possibilities of innovative creation. Working with the Theatrical Mixing Board means reflecting and practicing democracy, strengthening and developing your true self and your individual potentialand experiencing the power of working in cooperation instead of in competition“.