Next Generation Heimathafen ACTIVE PLAYER NK!

 

Es wird Zeit für frischen Wind im Jugendclub am Heimathafen! Ich freue mich, euch mitzuteilen, dass ich die Spielleitung in diesem Jahr an den erfahrenen ACTeur und Schauspieler Walid Al-Atiyat abgebe.

Seit 10 Jahren bereichert Walid nun schon meine Theaterarbeit – in den Anfängen noch an der Alfred-Nobel-Schule in Neukölln – seit 2012 auch am Heimathafen. Darüber hinaus ist Walid inzwischen bekannter Theater- und Filmschauspieler und kann auf jahrelangen Erfahrungen an der Volksbühne (RENÈ POLLESCH u.v.a.) am Heimathafen und in Kino- und Fernsehproduktionen (Fikkefuchs (Jan Hendrik Stahlberg), ACT Wer bin ich? (Rosa von Praunheim), Tatort, Soko Leipzig, Großstadtrevier, Amazon Serie „Beat“, u.v.a.) aufbauen.

Entsprechend dem übergeordneten Sinn und Zweck der ganzen Sache ist es nun Zeit den Staffel-Stab der Spielleitung an ihn abzugeben, um wieder neue Wege zu ermöglichen.

Ich werde weiterhin vor Ort sein und Walid als Beratung zur Verfügung stehen – aber die Entscheidungsfreiheit und Regie komplett in seine Hände geben. Das heißt für die ACTIVE PLAYER am Heimathafen: Ein neues Zeitalter beginnt. Und du kannst dabei sein!

Wenn du Lust hast, Theater zu spielen und mit zu entwickeln, bist du herzlich eingeladen!

Die Proben für das neue Jugendtheaterprojekt am Heimathafen beginnen am 03. September um 17 Uhr auf der Studiobühne im Heimathafen. Die Teilnahme ist kostenfrei. (Alter: 14-24J.)

Regelmäßige Probenzeiten immer Montags von 17-20 Uhr

Spielleitung: Walid Al-Atiyat/Beratung: Maike Plath

Absage an die vermeintlichen Autoritäten

Brian an eine große Menschenmenge gerichtet: „Ihr seid alle verschieden!“ 

Einzelner Mensch aus der Menge: „Ich nicht!“ 

(aus „Das Leben des Brian“, Monty Python)

 

Am 28.,29. September wird meine Kollegin Anna Weber den ACT Workshop „Status 1“ leiten. Obwohl wir inzwischen sechs Personen sind, die – auf der Basis jahrelanger eigener Erfahrungen damit – bundesweit mein Konzept weitervermitteln, machen wir gerade die lustige Erfahrung, dass Menschen tendenziell eher unsere ACT Workshops buchen, wenn sie von mir persönlich angeleitet werden. Dahinter steckt wahrscheinlich der Wunsch, „das Original“ zu erleben, weil ich die Person bin, die dieses Konzept entwickelt hat.

 

Aber hier haben wir es mit einem Paradox zu tun: Der gesamte Sinn meines Konzepts ist es, unsere festgefahrene Perspektive von Bildungsprozessen zu überwinden – nämlich die von der „einzelnen Autorität“, dem „alten Meister“ oder von der Lehrkraft, die zentral bedeutsam ist, um Wissen zu vermitteln – und die uns immer sagt, wie etwas RICHTIG ist (oder falsch…). Ich glaube da nicht dran.

Ich bin angetreten, zu beweisen, dass es gegenwärtig und mit Blick auf die nahe Zukunft besser ist, den Glauben an vermeintliche Autoritäten abzuschaffen und stattdessen auf das sogenannte Schildkröten-Prinzip zu setzen (Begriffsklärung siehe unten Rede mal ordentlich Frau Plath, Staffel 2, Folge 16: “Herrschaft oder Führung”) Das bedeutet: Auf Demokratische Führung und Partizipation zu bauen. Genau zu diesem Zweck habe ich dieses ganze Konzept überhaupt nur ausgearbeitet.

 

Und daher weiß ich, dass dieses Konzept unabhängig von meiner Person funktioniert. Ich habe große Freude daran, andere in dieses Konzept einzuführen und tue das ja auch ununterbrochen. Aber so richtig Fahrt nimmt das Konzept erst auf, wenn ANDERE es sich anverwandeln und es auf ihre Weise immer wieder neu lebendig werden lassen. Wenn ANDERE die Führung übernehmen. Erst dann werden alle möglichen Facetten und Zugänge zu diesem Konzept für viele verschiedene Menschen erfahrbar.

Erst dann wird deutlich, dass es sich hierbei um grundsätzliche Prinzipien handelt, die – von unterschiedlichen Menschen angewandt – immer wieder neue unterschiedliche Möglichkeiten der Gestaltung hervorbringen.

 

Liebe Menschen! Wenn ihr immer nur Veranstaltungen bei MIR machen wollt, ist die Gefahr sehr groß, dass ihr versucht, es immer so zu machen wie ich, dass ihr versucht, es „richtig zu machen“. Aber dann bräuchte es dieses Konzept gar nicht. (!) Dann könntet ihr mir ja einfach lauschen bis zum St. Nimmerleinstag – wie dem “Messias” in Monty Pythons “Das Leben des Brian” (“Ich bin nicht der Messias!!”), alles mitschreiben und versuchen, alles genauso nachzumachen – ABER DANN FUNKTIONIERT ES LEIDER NICHT! Und dann kommt ihr irgendwann frustriert bei mir an und sagt: Aber bei MIR geht es so nicht!

 

Tja, und dann werde ich leider sagen: Ich weiß.

Denn was ich will, ist ja gerade, dass ihr selber denkt. Dass ihr eure eigene intrinsische Motivation wiederbelebt, der ihr zu wenig Vertrauen schenkt, weil sie in unserem System grundsätzlich der Frage geopfert wird: Wie ist es RICHTIG?

 

Wenn ihr wissen wollt, wie „es richtig ist“, müsst ihr Lehrpläne und Didaktische Ratgeber studieren und Schritt für Schritt abarbeiten. “Die Tabelle auswendig lernen”. Aber wenn ihr merkt, dass euch die Tabelle zu wenig ist und bei euch noch der Wille und der Mut zum VETO ist und das Gefühl, dass das doch noch nicht alles gewesen sein kann, dann lade ich euch ein, euch mit der Unterstützung meiner erfahrenen Kolleginnen mit meinem Konzept zu beschäftigen – als offene Tür in ein ANDERES, weil eigenständiges Denken.

Das fällt leichter, wenn zunächst einmal eine Person, die sich damit auskennt, die Führung übernimmt und das Ganze für euch lebendig und anschaulich werden lässt.

 

Aber dann müsst ihr dieses andere Denken – natürlich! – selbst aktivieren. Es gibt in Wahrheit nicht DIE LÖSUNG zu einem PROBLEM. Es gibt nur die Türen zu euren eigenen Fragen und den Beginn einer eigenen Reise.

Das einzige, was ICH machen kann, ist, euch zu sagen, dass sich diese Reise -wirklich – lohnt und euch einladen, mein Buch “Befreit euch!” zu lesen. Das ist die Grundlage und alles andere ist das Kennenlernen und die Erprobung meiner konzeptionellen Wegmarken, die hilfreich sind, weil ich selbst diesen Weg schon auf unterschiedlichste Weisen immer wieder neu gegangen bin und daher weiß, wo es haarig wird, und wo wir vielleicht ein Sicherheitsnetz, eine Brücke, einen Austausch, eine Pause oder einen „Wink mit dem Zaunpfahl“ brauchen.

 

Mein Konzept ist so was wie eine Landkarte. Es reicht nicht, sie zu Hause anzugucken. Sie macht nur Sinn, wenn ihr euch auf den Weg macht. Sie gibt wertvolle Orientierung und verhindert, dass ihr beim ersten Unwetter die Zelte abbrecht und euch sagt: Hat doch keinen Sinn. Mit meiner Landkarte nehme ich euch nicht die Reise ab und auch nicht die Abenteuer, die unterwegs passieren. Aber sie gibt eurem Weg Orientierung, und Sinn und nicht zuletzt die Sicherheit, unterwegs euren eigenen Fragen und Entscheidungen zu trauen.

 

Und das ist mehr als alles theoretische „Tabellen-Gepäck“, das ich damals für den Berufseinstieg auf den Weg bekommen habe. Trotzdem bleibt uns mit diesem Konzept das Abenteuer des Selbst-Denkens nicht erspart: Das Abenteuer Autonomie. Es gibt kein selbstfahrenes Auto auf einer „richtigen Autobahn“, in das wir einfach einsteigen können. Es gibt keine „zentrale Autorität“.

 

Wenn also andere Menschen mein Konzept weitervermitteln, Menschen, die mit der Landkarte schon unterwegs gewesen sind und eigene Erfahrungen gemacht haben, dann können sie es genauso vermitteln wie ich, wenn nicht sogar facettenreicher, weil sie es WEITER prozessiert haben und durch ihre eigenen Erfahrungen damit NOCH mehr Zugänge dazu ermöglichen können als ich.

 

Und genau das ist das „Prinzip der Schildkröte“: Ich habe “eine Landkarte gemalt” und ich kann für bestimmte Streckenabschnitte der Reise die Führung übernehmen. Aber je mehr Leute die Landkarte lesen können, desto mehr können AUF IHRE WEISE ebenfalls die Führung übernehmen. Und genau darum geht es: Dass wir alle lernen, die Führung zu übernehmen und währenddessen die Grundlagen dafür zu legen, dass wir sie auch wieder abgeben können. Je mehr Schildkröten, desto besser.

 

Je mehr Schildkröten, desto mehr Zugänge zur Welt.

 

Der Link mit allen Infos zu den Workshops: https://act-berlin.de/dabei-sein/act-workshops/

Und hier der Link zur Folge „Herrschaft oder Führung“:

https://youtu.be/8Q4k4rwHZOM

 

Medizin für mehr Menschlichkeit – Fernsehserien und Filme

Eine gute Fernsehserie ist nicht nur unterhaltsam. Sie kann auch noch mehr. Sie trägt im besten Fall ein Stück weit zum Weltfrieden bei. Vielleicht.

Bei allem, was ich derzeit lese, habe ich den Eindruck, dass uns immer mehr die Menschlichkeit abhanden kommt. Der Mord an einem 15-jährigen Mädchen wird skrupellos ausgenutzt, um gegen Menschengruppen zu hetzen und den Hass zu schüren. Nur EIN Beispiel für das komplette Verschwinden von Menschlichkeit und Solidarität. Derzeit erleben wir täglich neue weitere Beispiele – oder müssen in der Zeitung davon lesen – und deswegen braucht es hier in diesem Text keine weiteren Beispiele mehr. Wir haben sie alle im Kopf.

Für die AFD und alle Menschen, die sich dieser Geisteshaltung anschließen, ist die „Flüchtlingskrise“ offenbar ein großes „Geschenk“, denn nun können sie ihre eigene Frustration endlich wieder an einer klar umrissenen Menschengruppe auslassen. Endlich hat der deutsche Frust-Mensch, egal ob „kleiner“ oder „großer“ „gebildeter“ Bürger, wieder ein Feindbild, auf das die eigene innere Hässlichkeit/Unzufriedenheit/Lebensenttäuschung drauf projiziert werden kann.

Wer sich einer Geisteshaltung wie der der AFD anschließt, kann Menschen ganz offensichtlich nicht mehr als Menschen betrachten und hat jegliches Mitgefühl verloren. Von Solidarität ganz zu schweigen.

Ich bin darüber zunehmend verstört. Trotzdem machen wir mit unserer Arbeit unbeirrt weiter, denn man darf den Mut nicht verlieren.

Neulich dachte ich: Vielleicht sollten die Leute mehr Fernsehserien schauen.

Denn wer sich nicht mehr in die Perspektive eines anderen Menschen hineindenken kann, dem kann eine gut gemachte Serie vielleicht noch den ein oder anderen Horizont eröffnen. Dort tauchen wir in die Innen- und Außenwelten anderer Menschen ein, bekommen plötzlich ein sehr klares Bild davon, wie sich das Leben von russischen Agenten in den 80-er Jahren in den USA wohl angefühlt haben könnte (The Americans), das von Kleingangstern in den 30-Jahren (Peaky Blinders) oder heute in Neukölln (4 Blocks) oder oder oder. Inzwischen gibt es zu fast jeder Lebenswelt eine entsprechende Serie und sie werden immer besser.

Ich meine das nur halb im Scherz. Die wichtigste Kompetenz, die uns derzeit scheinbar abhanden kommt, ist die Fähigkeit, uns menschlich einzufühlen in die „anderen“ und dabei zu erkennen, dass wir als Menschen alle dieselben Grundbedürfnisse, Erwartungen, Hoffnungen und Ängste haben.

Wir zeigen morgen keine Fernsehserie, aber unseren Film „Amers Geschichte“. Und da kann man sich eine Stunde lang einfühlen, wie es einem geflüchteten Jugendlichen aus Syrien hier in Deutschland geht, was er erlebt, hofft und träumt und wie ER auf seine Situation blickt. 60 Minuten Eintauchen in den Kopf eines anderen Menschen:

Das kann morgen Abend machen, wer Lust dazu hat und neugierig ist, wie sich das Leben aus anderen Perspektiven als der eigenen heraus anfühlt  –

Im Moviemento Kino am Kottbusser Damm um 20 Uhr.

Und auch insgesamt bleiben wir in diesem Sinne dran – und hoffen, dass euch das ermutigt, ebenfalls „dran zu bleiben“. Verzweifeln nützt ja nix. Wir sehen uns.

„Ich habe zuviel Hass gesehen, als dass ich selber hassen möchte“.

(Martin Luther King)